Ich bin wichtig, das ist wichtig.

Es gibt Menschen, die sind irgendwie unsichtbar. Die wollen das so. Die sind für sich, man kriegt nicht viel von ihnen mit, die sind einfach da, fallen aber niemandem groß auf. Die wohnen in ihrer Gegend, in ihrem Haus, grüßen die Nachbarn, halten vielleicht auch mal n Quätscherchen, geh'n um die Ecke einkaufen, pflanzen Blümchen auf ihren Balkon oder auch nicht, gucken mal ausm Fenster, kriegen mal Besuch, gehn aus und kommen wieder heim. Sowas eben. Vielleicht haben die auch n Blog, falls ihnen mal danach ist, gesehen zu werden. Wer weiß das schon so genau.
Doch so richtig wichtig isses ja eben auch nicht, was Herr Weißdergeier von gegenüber, mit dem man zufällig in der selben Stadt wohnt und der gerne unsichtbar bleiben möchte, macht.

So.

Und dann gibts Menschen, die sind alles andere als unsichtbar. Und: die wollen das auch so!
Die möchten bemerkt werden, jeder soll wissen, dass sie existieren, alle sollen mitkriegen, was sie zu sagen haben. Und ich meine ALLE. Die stehen hinter dir im Supermarkt an der Kasse und erörtern mit ihrem Bekannten, der nen halben Meter weiter steht, die letzte Party in einer Lautstärke, als würden sie mit Afrika telefonieren. Die stehen bei Wind und Wetter halbnackt, weil Mcfit-gepimpter (zugegeben) Adoniskörper, aufm Balkon, um ja gesehen zu werden und vor allem auch ja nicht zu verpassen, wenn sie gesehen werden. Die streiten auf offener Straße so laut in ihr Handy, dass du nicht anders kannst, als regen Anteil an ihrer aktuellen Gemütsverfassung zu nehmen.
Wer von so viel mutwilliger Präsenz beeindruckt ist, mit dem schließen sie in Lichtgeschwindigkeit Freundschaft. Alle anderen werden misstrauisch ins Visier genommen und bekommen unter Garantie beim nächsten Mal eine weitere Kostprobe ihrer gewaltigen Bedeutsamkeit. - Es könnte ja sein, dass sie einen doch noch für sich gewinnen. Und wenn nicht, machen sie eben Krach, um den Feind in die Flucht geschlagen zu wissen.
Die sind da, ob du willst oder nicht, denn du hast keine Chance, sie auszublenden, weil sie genau dafür sorgen.

Da, wo ich wohne, gibt es einige Abstufungen dieser zuletzt beschriebenen Exemplare.
Und es ist mit ihnen, wie mit den Trollen: der Dümmste, Lauteste und Dreisteste ist König. Zu meinem Verdruss wohnt der hiesige König gleich nebenan.

Vor kurzem ist ein weiterer Troll hierher gezogen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die sich finden und anfreunden.
Ich hingegen befürchte in naher Zukunft einen Kampf um die Krone: Die scheinen sich ziemlich ebenbürtig zu sein.

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